Der bessere Berliner? Kultblogger Michael Nast liest in der Hauptstadt | 3. Dezember 2007
Michael Nast veröffentlicht auf MySpace wöchentlich eine Kolumne, die mittlerweile eine riesengroße Fangemeinde um sich geschart hat. Am Samstag veranstaltete er zusammen mit Oliver Korittke eine Lesung in Berlin. Ein Blog zum Anfassen also. SPIESSER-Redakteur Till hat für uns die Ohren aufgesperrt.
Es kracht ordentlich am späten Samstagabend im Berliner Weekend Club. "Ich bin ein Spießer," liest Michael Nast aus seiner Geschichte "Das Prinzip der sexuellen Hörigkeit". Als dann sein Kumpel und Schauspieler Oliver Korritke als Lesehilfe zu ihm auf die Bühne steigt und der Kolumnist seinen eigenen Geschichten lauschen muss, da packt ihn ein amüsiertes Gefühl, sein Kopf glüht rot, er lächelt. Seine Freude kann er mit den Zuhörern teilen. Die meisten kennen den ein oder anderen Text, denn alle finden sich auf Michael Nasts Blog bei MySpace. Jede Woche kommt eine neue Erzählung hinzu.
Die Themen drehen sich um das Leben von Michael Nast, 32, aus Ostberlin. Laut den Kolumnen in erster Linie Partys, komische Männerfreunde und Frauen aller Art. Die Konsequenz: Einstige Freunde reden nicht mehr mit ihm, Bekannte ahnen, dass ihr letzter Satz in der nächsten Kolumne stehen könnte und MySpace ruft an, weil seine Seite deren meistgelesenes deutschsprachiges Weblog ist.
Die Perspektive von Michael Nast ist beobachtend, zwischen Großstadtbubi und B-Schauspieler. Seine Geschichten sind schnell heruntererzählt. Nicht von der Erzählzeit, sondern von der Sprache. Sätze werden mit Jas und Wortwiederholungen aufgefüllt und luftiger im Inhalt durch Ost-West- oder Blondinenklischées. Doch darüber lässt sich hinwegsehen und stattdessen Beobachtungen in liebevollen Details genießen: Flauschige Bälle, die Liebende sich zuwerfen oder die Suche nach dem ultimativen Ausgehtipp für Gäste aus Köln. Da sind kleine Leckerbissen, zum Beispiel in der Kolumne "Der bessere Berliner".
Im Internet polpulär zu sein, ist mit virtuellen
Freunden verknüpft: 16.215 kann Michael Nast derzeit aufbieten. Ein Bruchteil diskutiert heute im Weekend Club seine Texte: Ist Spießer-sein eigentlich Kult? Oder bedeutet dieses Etikett vielmehr Anstand und Moral? Was ist überhaupt nicht-spießig? Zwischenrein dann immer wieder Korritke, der den Freund ganz zärtlich mit "Duuhuuuuuuuh?" und "Honey" anspricht.
Später geht man beduselt nach Hause, um online noch ein bisschen weiterzuschmunzeln.



