Michael Nast hat alles | 6. Dezember 2007
Oliver Korittke erzählt die Geschichte so: "Wir haben uns eines nachts in der Panorama Bar kennen gelernt. Ich habe ihm in die Hose geholfen. Seitdem sind wir Freunde." Sie könnte aber auch von Michael Nast selber stammen. Der junge Mann schreibt gerne solche Geschichten über kleine Peinlichkeiten, intime Details, persönliche Geständnisse von Freunden und Bekannten. Es sind Beobachtungen, Assoziationen und Mutmaßungen aus dem Berliner Nachtleben. Aus Clubs, von Partys daheim, aus privaten Küchen. "Großstadtkolumnen" nennt Michael Nast die Texte. Sie erscheinen auf seinem Myspace-Profil. Jeden Sonntag. Und jeden Sonntag hat er mehr Leser. Sie schreiben sich in einem Blog gegenseitig, warum sie Nasts Texte so toll finden. Selten ist mal einer darunter, der sie langweilig findet oder der deshalb den mittlerweile entstandenen kleinen Hype gar nicht versteht. Mehr Werbung hat Michael Nast, ein 33-Jähriger, der zusammen mit einem Kompagnon eine Werbeagentur in Mitte betreibt, nicht gemacht. Musste er auch nicht.
Vorigen Sonnabend hat er ins Week-End am Alexanderplatz geladen. Mit dabei Freund Korittke, der beim Vorlesen half - und einige hundert Zuhörer. Einige junge Frauen hatten sich ganz fest vorgenommen, sich zu amüsieren. Sie kicherten permanent. "Sie stören", sagte Nast dann streng. Und weiter ging's im "Großstadtkolumnen"-Text, mal lustig, mal nicht so.
Anschließend stellten sich Nast und Korittke noch ins Aufzugfoyer im zwölften Stock, um die 3 Euro teuren Büchlein zu signieren. Wie bei einer richtigen Lesung. Im Hintergrund lief schon der Week-End-typische Minimal-Techno.



