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  • 16. Mai 2012
    Berlin

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MC Rene

 

  • Verfasst von Michael Nast

"Es gibt kein richtiges Leben im valschen" - Michael Nast und die Supernanny

Die Medialisierung des Privaten inform von Kindererziehungs-, Wohnungseinrichtungs- und Schuldenverminderungs-Sendungen im TV lockt heutzutage keinen Empörer mehr hinter seiner FAS hervor. Man kann ja wegschauen. Es kann jedoch guten Gewissens behauptet werden, dass gerade diese Sendungen den Bloggereien des Internets den Weg nicht nur geebnet, sondern geradezu vorgeschrieben haben. Dort (TV) entscheidet das von pfiffigen Praktikantenredakteuren definierte Ausmaß des Elends über die Teilnahme an einer öffentlichen Destruktion, hier (Internet) entscheide ICH – glaube ich zumindest. Denn eine wichtige Voraussetzung möchte der Blogger hier wie dort erfüllen: Wasche Wäsche, möglichst schmutzig. Dies dient der Unterhaltung.

Natürlich gibt es auch Blogs, die sich der Information, der Aufklärung verschrieben haben. Die schaffen es jedoch m.W. nicht, aus der virtuellen Spielwiese hinaus und Samstagnacht in einen Berliner Club hinein zu treten, was sich durch den Mangel an Massentauglichkeit bei ersteren und einer Art Big-Brother-Anmutung von letzterem erklären lässt.

Dass die plötzliche Popularisierung zum Massengeschmack die Initiatoren gern selbst überrascht, weil das eigentliche Anliegen durch ein kicherndes, von Highlight zu Highlight jagendes Klatschpublikum verwässert wird, hat die BILD-Blog-Lesung unlängst gezeigt. Beim hier im Mittelpunkt stehenden Autor Michael Nast führte es an jenem Samstagabend dazu, dass sich die Protagonisten seiner Kolumnen entsprechend ihrer in diesen Kolumnen beschriebenen sozialen Defizite verhielten und ihm schlicht ihre Aufmerksamkeit versagten. Herr Nast und Herr Korittke lasen (Und beide können nicht sehr gut vorlesen, leider.) sieben Texte – mindestens vier gingen im an- und ab-, später nur noch anschwellenden Nichtigkeitenaustausch der Club-Besucher unter. Es sei jedoch erwähnt, dass sich im dem Podium zunächst befindlichen VIP-Bereich (ein VIP-Bereich, hahaha!) eine wackere Schar „Bekannter“ (Nast) und sicher auch „Freunde“ (Nast) befand, die sich an der Beschreibung ihrer unmittelbaren Vergangenheit offensichtlich nicht satthören konnten und ein ums andere Mal pointenunproportional in Gekreische und Gejohle ausbrachen, weil sie wussten, was jetzt kommt.

Michael Nast beschreibt in diesen Kolumnen Erlebnisse und Beobachtungen aus seinem Leben. Mit nicht allzu forscher Feder dekonstruiert er sein Sozialleben, nicht ohne diese Dekonstruktion in Ansätzen zu erklären, ja gar zu verhindern zu suchen. Erst denunziert er „Bekannte“ (Nast), dann, wenn er gehasst wird, bemüht er sich, „seine Worte mit Bedacht zu wählen. Mir gelingt es nicht immer.“ (Nast) Für die Bekannten und Freunde von Herrn Nast ist es ein Leichtes, ihren Stand auf der Nast'schen Sozialkontakt-Skala herauszufinden: Sie müssen nur lesen. Es gibt ganz offensichtlich ein Beleidigungs-Ranking.

Da in den meisten Fällen nur ein Satz zitiert oder eine Handlung beschrieben wird, um die Unzulänglichkeit des „Bekannten“ (Nast) zu belegen, korrespondieren die Texte sehr schön mit den o.g. TV-Sendungen. Da erfahren wir ja auch nur, dass Frau B. zu doof ist, ihren Kevin schön mit Vorlesen und allem ins Bett zu bringen. Ob Frau B.'s Doofheit in diesem Fall zu erklären, ja vielleicht mit einer Klugheit bezüglich Pferdepflege oder Dendrochronologie zu ergänzen ist, verbleibt im Unklaren. In keinem der (gelesenen) Texte Nasts etwa gibt es einen wirklichen Anhaltspunkt dafür, warum um alles in der Welt er mit solchen Leuten unterwegs ist. Das Schreiben seiner Kolumne führt als Rechtfertigung in die „Ich brauchte das Geld / den Ruhm / den Lacher“-Richtung. Was zählt, ist die Pointe. Was unterhält, ist nicht kompliziert. Oder vielschichtig. Oder realistisch.

Fürderhin sei angemerkt, dass eine Selbstbezichtigung als „Spießer“ (Nast) seit den späten 90ern mitnichten ein „hohoho“ provoziert. „Spießer“ existiert nicht mehr als Kategorie, weil der Gegenpool (Revoluzzer, Langhaariger, den Gruftis kritisch gegenüberstehender Freak) nicht mehr existiert. Durch unsere Gesellschaft flattern zehn bis zwanzig Werte, deren Annahme jedem einzelnen von uns zur Wahl steht. So er sie erkennt. TV und ein fast anrührend zu lesendes Rumlavieren um das Thema Arschficken* fördern diese Erkenntnis mitnichten.

So sei denn abschließend bemerkt, dass der Herr Michael Nast natürlich schreiben kann, was er will. Eine Lesung von ihm kann hier nur bedingt empfohlen werden. Für Menschen, die selbstreferentielle Systeme gern aus zoologischem Interesse beobachten, sowie für alle Leute, die Michael Nast kennen, mit ihm bekannt werden wollen oder ihn mal gekannt haben, mag ein solches Event einen im TV-Sinne unterhaltenden Charakter haben. Erwarten Sie nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Zum Text auf potzdam.de