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  • 16. Mai 2012
    Berlin

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MC Rene

 

  • Verfasst von Michael Nast

Grölen über "Leidenschaft und Lust auf wilden Sex"

Schauspieler Oliver Korittke und "myspace"-Blogger Michael Nast haben eins gemeinsam: Sie ziehen nachts gern durch Berlin. Hängen in Kneipen rum, "mit Leuten, die sich Heini, Atze und Porno nennen".

 Weil die beiden oft gemeinsam durch Clubs zogen, dachten sie sich: "Machen wir doch 'ne gemeinsame Tour." So drückte es Korittke, den Kinogängern aus Streifen wie "Bang Boom Bang" oder "Musterknaben" bekannt, am Samstag in der "Live Station" aus. Während Korittke auch aufgrund seiner Rolle im Münsteraner Kult-Krimi "Wilsberg" Fan-Massen anzog, zieht Nast seinen Bekanntheitsgrad aus der Plattform "myspace", wo Musik-Fans und -Bands sich seit Jahren tummeln. Nur hier wurde auch für Hörbuch und Tour der bereits veröffentlichten Texte geworben - trotzdem waren am Samstag gut 400 Fans am Königswall am Start.

Die Thematik der Nast'schen Texte, die Korittke als "aus'm Leben" beschreibt, drehen sich frei nach einem weiteren Korittke-Film um das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit. Nast und Korittke berichten über "Leidenschaft und Lust auf wilden Sex" zum Frühlingsanfang oder die eigene Tendenz zur Spießbürgerlichkeit, wenn andere über ihre "Bett-Talente" sprechen. Das lässt staunen, denn der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er die "intellektuellen Insuffizienzen" seiner buchstäblich "breiten" Bekanntschaft anprangert.

Offensichtlich: Der Berliner Blogger findet seine Großstadtkolumnen selbst so witzig, dass er sich darüber schier ausschüttet. Durch Korittkes trockenen Humor gewinnen die Texte neu an Fahrt.

Was seine Fans an diesem Dortmunder Abend zum Grölen bringt, sind Alltagsbeobachtungen - die Perspektive aus ihrer eigenen Lebenswirklichkeit eben. Wenn einer wie Nast überlegt, wie er seine neue Wohnung einrichtet, klingt das so: "Fotografien wären eine Möglichkeit. Ich überlegte kurz, ich könnte ja großformatige Nacktbilder von mir aufhängen, oder vorteilhaft fotografierte Portraitbilder aller Frauen, mit denen ich geschlafen habe."

Kein schlechter Gedanke. Schon Bertolt Brecht praktizierte "uniformierte Liebschaften", indem er seine Gespielinnen alle mit dem gleichen Kleid ausstattete. Nast ist zwar kein zweiter Brecht. Aber ein schreibender Heini, Atze oder Porno. Das macht ihn glaubwürdig.

Zum Artikel bei derwesten.de